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Senua's Saga: Hellblade II

Senua's Saga: Hellblade II

PlattformPCErschienen21.05.2024Metascore81Auch fürPlayStation 5Xbox Series X

Reviews

Pat · 04.01.2025
★★★★75/100

Senua's Saga: Hellblade II – Visuell atemberaubend, aber inhaltlich unausgegoren

Ein grafisches Meisterwerk mit starken Momenten, das jedoch an Tiefe und Fokus des Vorgängers scheitert.

Mit atemberaubender Optik und intensiver Atmosphäre setzt Hellblade II neue Maßstäbe in der Inszenierung – doch unter der Oberfläche verbirgt sich ein Spiel, das seine eigenen Stärken nicht vollends ausschöpft. Wo der erste Teil noch mit psychologischer Tiefe und emotionaler Wucht überzeugte, bleibt die Fortsetzung hinter den Erwartungen zurück.

Ninja Theorys Senua's Saga: Hellblade II ist ein Spiel der Extreme: visuell überwältigend, atmosphärisch dicht, aber in puncto Gameplay und Erzählung ein zwiespältiges Erlebnis. Während die Fortsetzung einige Schwächen des Vorgängers adressiert, verliert sie sich zugleich in neuen Unstimmigkeiten – und wirft damit die Frage auf, ob mehr wirklich immer besser ist.

Schon der erste Teil von Hellblade war ein ungewöhnliches Experiment: ein actionlastiges Spiel, das sich zugleich als psychologisches Porträt einer von Wahnvorstellungen gequälten Kriegerin verstand. Die Fortsetzung knüpft daran an, verschiebt jedoch den Fokus. Wo Senua im Debüt noch im Mittelpunkt stand, rückt nun eine komplexere, aber auch diffusere Erzählung in den Vordergrund – mit gemischten Ergebnissen.

Optisch ist Hellblade II zweifellos ein Triumph. Die Unreal Engine 5 wird hier mit einer Präzision eingesetzt, die ihresgleichen sucht. Jede Textur, jede Lichtreflexion, jede Animation wirkt so lebendig, dass man fast vergisst, ein Spiel zu betrachten. Besonders die Bosskämpfe sind inszenatorisch beeindruckend: epische, fast filmreife Sequenzen, die den Spieler in ihren Bann ziehen. Die Welt fühlt sich greifbar an, auch wenn sie oft nur als Kulisse dient – doch was für eine Kulisse!

Doch genau hier liegt das erste Problem: Hellblade II lebt von seiner Optik, doch darunter verbirgt sich ein Spiel, das in vielen Bereichen nur wenig Substanz bietet. Das Leveldesign ist linear, mit gelegentlichen Abzweigungen, die kaum echte Wahlmöglichkeiten bieten. Die Rätsel sind oft repetitiv und bremsen den Spielfluss aus, statt ihn zu bereichern. Und während das Kampfsystem im Vergleich zum Vorgänger verbessert wurde, bleibt es letztlich Mittelmaß – funktional, aber ohne echte Tiefe oder Innovation.

Noch schwerer wiegt jedoch der Verlust des narrativen Fokus. Der erste Hellblade überzeugte vor allem durch seine unerbittliche Konzentration auf Senua und ihre psychische Zerrissenheit. Die Fortsetzung weitet zwar ihren Charakterbogen aus, doch die Geschichte verliert sich in Nebenfiguren und einer Handlung, die zwischen Rache, Erlösung und familiärer Tragödie schwankt. Besonders die Figur des Thórgestr wirkt wie ein Fremdkörper – ein Versuch, dem Spiel mehr epische Breite zu verleihen, der jedoch die emotionale Wucht des Vorgängers verwässert.

Dabei hatte der erste Teil ein geniales, wenn auch trügerisches Game-Design-Element: die Andeutung, dass das Spiel endet, sobald der „Dark Rot“ Senuas Arm vollständig befällt. Diese Illusion einer drohenden Niederlage verlieh dem Erlebnis eine einzigartige Dringlichkeit. Hellblade II verzichtet auf solche Mechanismen – und wirkt dadurch weniger fesselnd, weniger verzweifelt, weniger notwendig.

Die Atmosphäre bleibt indes eine der größten Stärken des Spiels. Der Sounddesign, die Musik (wenn auch nicht so ikonisch wie das Outro des Vorgängers mit VNV Nation) und die düstere, nordische Ästhetik schaffen eine bedrückende, fast greifbare Stimmung. Doch wo der erste Teil den Spieler mit Szenen wie dem Gang durch einen blutigen Korridor, in denen Hände nach Senua greifen, in seinen Bann zog, fehlen solche unvergesslichen Momente in der Fortsetzung fast vollständig.

Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck: Hellblade II ist ein technisch und inszenatorisch herausragendes Spiel, das jedoch inhaltlich hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Es ist nicht schlecht – aber es ist auch kein würdiger Nachfolger eines Titels, der mit seiner rohen Emotionalität und psychologischen Tiefe Maßstäbe setzte. Wer sich auf die Reise begibt, wird belohnt mit atemberaubenden Bildern und einer starken Hauptfigur. Doch wer mehr erwartet als nur eine schöne Fassade, könnte enttäuscht werden.

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