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Resident Evil 3

Resident Evil 3

PlattformXbox OneErschienen03.04.2020Metascore79Auch füriOS (iPhone/iPad)PCPlayStation 4PlayStation 5Nintendo SwitchXbox Series X

Reviews

Pat · 19.07.2026
★★★60/100

Resident Evil 3 (2020) im Test: Ein actionlastiges Remake mit Licht und Schatten

Das Remake von Resident Evil 3 setzt auf Tempo – mit gemischten Ergebnissen.

Capcoms Neuauflage des Klassikers von 1999 glänzt mit einer detailreichen Spielwelt und ikonischen Gegnern, verliert sich aber in oberflächlicher Action und einer schwachen Erzählung. Lohnt sich der Trip nach Raccoon City?

Das Resident Evil 3 Remake ist ein Spiel der Extreme: atemberaubende Momente stehen neben enttäuschenden Entscheidungen. Während die Rückkehr nach Raccoon City mit Liebe zum Detail gestaltet wurde, wirkt der Rest oft wie ein überstürzter Versuch, die Serie in eine neue Richtung zu drängen. Das Ergebnis ist ein Titel, der polarisiert – und trotz einiger Highlights nicht an die Stärken seiner Vorgänger anknüpfen kann.

Schon der Einstieg in Resident Evil 3 zeigt, was das Remake richtig macht. Die ersten Minuten in Raccoon City gehören zu den besten der gesamten Serie. Die Stadt ist ein lebendiger, bedrohlicher Organismus, durchzogen von Nebelschwaden, flackernden Lichtern und unheimlichen Details. Jede Straße, jeder verlassene Laden wirkt authentisch – als hätte Capcom die Vorlage des Originals nicht nur kopiert, sondern mit moderner Technik neu interpretiert. Besonders gelungen ist die Atmosphäre: Die Bedrohung lauert hinter jeder Ecke, und selbst harmlose Alltagsgegenstände wie ein umgestürzter Einkaufswagen oder ein verlassener Polizeiwagen verstärken das Gefühl, in einer Welt zu sein, die kurz vor dem Kollaps steht.

Doch dieser starke Auftakt täuscht nicht darüber hinweg, dass das Spiel insgesamt einen anderen Weg einschlägt als seine Vorgänger. Wo Resident Evil 2 Remake (2019) noch auf taktisches Gameplay, knifflige Rätsel und eine dichte Erzählweise setzte, dominiert hier ein deutlich actionlastigerer Ansatz. Das zeigt sich vor allem in der Begegnung mit Nemesis, dem unerbittlichen Verfolger des Spiels. Die Dynamik zwischen Jäger und Gejagtem ist packend inszeniert, und die Momente, in denen der muskelbepackte Monsterjäger durch Wände bricht oder Jill Valentine mit brutaler Effizienz verfolgt, gehören zu den intensivsten des Spiels. Allerdings wirkt Nemesis oft wie ein mechanisches Werkzeug, das nur dazu dient, den Spieler in ständige Bewegung zu halten. Die ikonische Bedrohung des Originals wird hier zu einem wiederkehrenden Hindernis, das mehr auf Tempo als auf Strategie setzt.

Diese Verschiebung hin zur Action ist symptomatisch für das gesamte Spiel. Resident Evil 3 verzichtet weitgehend auf die für die Serie typischen Rätsel und Erkundungselemente. Stattdessen wird der Spieler durch eine Reihe von Schauplätzen gehetzt, die zwar optisch beeindrucken, aber inhaltlich wenig zu bieten haben. Die Kanalisation etwa wirkt wie ein Pflichtprogramm – ein Setting, das man abhaken muss, ohne dass es eine echte narrative oder spielerische Berechtigung erhält. Ähnlich verhält es sich mit anderen Abschnitten: Sie sind oft kurz, linear und fühlen sich an, als wären sie nur dafür da, den Spieler von einem spektakulären Setpiece zum nächsten zu führen. Das Ergebnis ist ein Spiel, das sich selten Zeit nimmt, um Spannung aufzubauen oder den Figuren Tiefe zu verleihen.

Denn genau hier liegt eines der größten Probleme des Remakes: die Charaktere. Jill Valentine, die Protagonistin, bleibt eine blasse Figur ohne echte Entwicklung. Ihre Dialoge sind funktional, ihre Motivationen oberflächlich, und selbst ihre Interaktionen mit anderen Figuren wirken steif und uninspiriert. Carlos Oliveira, der im Original noch eine gewisse Präsenz hatte, wird hier auf eine Nebenrolle reduziert, die kaum Eindruck hinterlässt. Selbst Nemesis, der im Original als unberechenbare Bedrohung mit eigenem Willen inszeniert wurde, wirkt wie ein programmierter Algorithmus, der nur darauf wartet, den Spieler zu attackieren. Die Geschichte, die im Original noch eine gewisse Dringlichkeit hatte, verliert sich hier in Klischees und einer Erzählweise, die kaum über das Nötigste hinausgeht.

Dabei hätte das Spiel durchaus Potenzial gehabt, eine stärkere emotionale Wirkung zu entfalten. Die wenigen ruhigen Momente, in denen die Atmosphäre der Stadt und die Verzweiflung ihrer Bewohner spürbar werden, zeigen, was möglich gewesen wäre. Doch diese Ansätze werden immer wieder von hektischen Actionsequenzen überlagert, die zwar technisch beeindruckend sind, aber wenig Substanz bieten. Die Musik, die im Original noch eine wichtige Rolle spielte, wirkt hier oft deplatziert oder fehlt ganz – ein weiterer Punkt, der die emotionale Leere des Spiels unterstreicht.

Positiv hervorzuheben ist dagegen der Sounddesign. Die Geräusche von Schritten, das Knarren von Türen oder das ferne Knurren der Untoten tragen maßgeblich zur bedrückenden Stimmung bei. Auch die Synchronisation der wenigen Dialoge ist gelungen und verleiht den Figuren zumindest ein Minimum an Glaubwürdigkeit. Doch selbst diese Stärken können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Resident Evil 3 in vielen Bereichen hinter den Erwartungen zurückbleibt.

Das Gameplay selbst ist solide, aber wenig innovativ. Die Steuerung ist präzise, die Schießmechaniken funktionieren gut, und die Gegner sind abwechslungsreich gestaltet. Allerdings fehlt dem Spiel die taktische Tiefe, die die Serie einst auszeichnete. Statt strategischer Entscheidungen geht es hier oft nur darum, möglichst schnell zu schießen und zu fliehen. Das mag für einige Spieler unterhaltsam sein, wirkt aber auf Dauer repetitiv. Besonders frustrierend sind die Passagen, in denen der Spieler keine echte Kontrolle über die Situation hat – etwa wenn Nemesis plötzlich auftaucht und den Spieler in eine ausweglose Situation drängt. Solche Momente fühlen sich weniger wie ein cleverer Spielmechanismus an, sondern eher wie ein billiger Trick, um Spannung zu erzeugen.

Fazit: Resident Evil 3 Remake ist ein Spiel mit klaren Stärken und ebenso klaren Schwächen. Die detailverliebte Gestaltung von Raccoon City und die packenden Nemesis-Encounter sind Highlights, die das Spiel zu einem kurzweiligen Erlebnis machen. Doch die oberflächliche Handlung, die blassen Charaktere und die überstürzte Actionlastigkeit verhindern, dass es zu einem echten Klassiker wird. Wer ein schnelles, spektakuläres Actionspiel sucht, wird hier fündig – wer jedoch die Tiefe und Atmosphäre der Vorgänger erwartet, könnte enttäuscht werden. Das Remake ist kein schlechter Titel, aber es ist auch kein würdiger Nachfolger der Serienhighlights. Mit einer Wertung von 60 von 100 Punkten bleibt es ein Spiel, das man gespielt haben kann – aber nicht muss.

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