
Ein technisch ausgereiftes, aber wenig innovatives Superhelden-Abenteuer.
Marvel's Spider-Man 2 setzt nahtlos dort an, wo der Vorgänger aufhörte – mit flüssigem Gameplay und ikonischen Schauplätzen. Doch wer auf frische Ideen oder eine straffere Erzählweise hofft, wird enttäuscht. Ein Spiel, das zu viel des Guten bietet.
Mit Marvel's Spider-Man 2 liefert Insomniac Games eine Fortsetzung ab, die in puncto Spielmechanik und Präsentation kaum Wünsche offenlässt. Doch genau diese Perfektion wird dem Titel zum Verhängnis: Wo der erste Teil noch durch seine Dynamik und emotionale Tiefe überzeugte, wirkt der Nachfolger wie eine bloße Erweiterung – ohne echte Überraschungen oder mutige Neuerungen.
Das Kernproblem von Marvel's Spider-Man 2 liegt nicht in dem, was das Spiel kann, sondern in dem, was es nicht versucht. Die Grundpfeiler des Vorgängers – das flüssige Schwingen durch die Stadt, das taktische Kampfsystem und die charismatische Darstellung der Figuren – wurden übernommen und verfeinert. Doch wer gehofft hatte, dass der Titel neue Wege beschreitet, sieht sich getäuscht. Stattdessen wird das bewährte Konzept einfach nur größer, länger und komplexer – mit gemischten Ergebnissen.
Gameplay: Rund, aber überladen
Das Kampfsystem bleibt eine der größten Stärken des Spiels. Die Kombination aus schnellen Angriffen, Ausweichmanövern und dem Einsatz von Gadgets fühlt sich präzise und befriedigend an. Neu hinzugekommene Fähigkeiten, wie die Möglichkeit, zwischen zwei Spider-Men zu wechseln oder die symbiotischen Kräfte von Venom zu nutzen, erweitern das Arsenal. Doch genau hier zeigt sich ein zentrales Problem: Die schiere Menge an Optionen überfordert auf Dauer. Die Steuerung wird mit jeder neuen Fertigkeit unübersichtlicher, und selbst erfahrene Spieler müssen sich immer wieder durch Menüs kämpfen, um die gewünschte Aktion auszuführen. Was als taktische Tiefe gedacht ist, entpuppt sich oft als unnötige Komplexität.
Auch das Schwingen durch die Stadt, einst ein Highlight der Serie, verliert mit der Zeit an Reiz. Die offenen Welten von New York und den neu hinzugekommenen Bezirken sind detailreich gestaltet und laden zum Erkunden ein. Doch die Freiheit, die sie bieten, wird durch repetitive Nebenmissionen und zeitfüllende Aktivitäten konterkariert. Die meisten dieser Aufgaben folgen demselben Schema: Ein Verbrechen wird gemeldet, Spider-Man eilt herbei, es kommt zum Kampf, und am Ende wartet eine Belohnung, die selten den Aufwand rechtfertigt. Was als Abwechslung gedacht ist, fühlt sich schnell wie Pflichtprogramm an.
Story: Emotional, aber überdehnt
Die Handlung von Marvel's Spider-Man 2 setzt dort an, wo der erste Teil endete, und erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, die sich mit Themen wie Verantwortung, Schuld und dem Preis der Macht auseinandersetzt. Die Charaktere, allen voran Peter Parker und Miles Morales, sind nach wie vor gut geschrieben und werden von ihren Sprechern überzeugend verkörpert. Besonders die Dynamik zwischen den beiden Protagonisten verleiht dem Spiel emotionale Tiefe.
Doch die Erzählung leidet unter ihrer eigenen Länge. Mit einer Spielzeit von über 20 Stunden für die Hauptgeschichte (und deutlich mehr, wenn man alle Nebeninhalte mitnimmt) zieht sich die Handlung an vielen Stellen unnötig in die Länge. Wichtige Momente werden durch seitenlange Dialoge oder repetitive Gameplay-Passagen verwässert. Was als epische Erzählung beginnt, verliert sich irgendwann im eigenen Tempo. Die Nebenhandlungen, die in den ersten Stunden noch für Abwechslung sorgen, wirken zunehmend wie Füllmaterial, das den Spielfluss unterbricht.
Präsentation: Optisch beeindruckend, aber nicht immer überzeugend
Optisch setzt Marvel's Spider-Man 2 Maßstäbe. Die Stadt ist lebendig, die Animationen der Charaktere sind flüssig, und die Lichteffekte sorgen für eine immersive Atmosphäre. Doch bei genauerem Hinsehen zeigen sich auch hier Schwächen. Der Art-Style, der im ersten Teil noch durch seine comicnahe Ästhetik bestach, wirkt in manchen Momenten zu glatt und steril. Die Gesichter der Charaktere, insbesondere in Nahaufnahmen, wirken oft unnatürlich, und die übertriebene Mimik erinnert eher an eine billige CGI-Produktion als an ein hochwertiges Spiel.
Auch der Sounddesign und die Musik können nicht ganz überzeugen. Während die Geräusche des Kampfes und der Umgebung stimmig sind, wirkt der Soundtrack oft aufdringlich und wenig einprägsam. Die Musik untermalt zwar die Action-Szenen, bleibt aber selten im Gedächtnis haften. Die Sprachausgabe ist hingegen durchweg gelungen – die Synchronsprecher verleihen den Figuren Leben und Emotionen.
Fazit: Ein Spiel ohne Ecken und Kanten
Am Ende bleibt Marvel's Spider-Man 2 ein Spiel, das objektiv betrachtet kaum Fehler aufweist. Es ist technisch ausgereift, bietet ein rundes Gameplay-Erlebnis und erzählt eine emotionale Geschichte. Doch genau diese Perfektion wird ihm zum Verhängnis. Wo andere Titel mit mutigen Entscheidungen oder unerwarteten Wendungen überraschen, setzt Insomniac Games auf Bewährtes – und verliert dabei an Spannung und Frische.
Wer den ersten Teil geliebt hat, wird auch hier seinen Spaß haben. Doch wer auf echte Neuerungen oder eine straffere Erzählweise gehofft hatte, wird enttäuscht. Marvel's Spider-Man 2 ist ein gutes Spiel – aber es ist auch ein sicheres Spiel. Und manchmal ist es genau diese Sicherheit, die den Unterschied zwischen gut und großartig ausmacht.
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