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INDUSTRIA

INDUSTRIA

PlattformPCErschienen30.09.2021Metascore67Auch fürPlayStation 5Xbox OneXbox Series X

Reviews

Pat · 11.07.2026
★★★60/100

INDUSTRIA im Test: Ein ambitioniertes, aber holpriges Sci-Fi-Erlebnis

Ein kleines Team wagt Großes – mit gemischtem Erfolg.

INDUSTRIA entführt Spieler in ein dystopisches Deutschland nach dem Mauerfall, in dem Maschinen die Herrschaft übernommen haben. Das Spiel überzeugt mit einer starken Atmosphäre und cleveren Rätselansätzen, scheitert aber an schwachem Gameplay und einer enttäuschenden Story.

INDUSTRIA ist ein Spiel der Widersprüche: Es beginnt mit einer faszinierenden Prämisse und einer dichten Atmosphäre, verliert sich jedoch schnell in unausgegorenem Gameplay und einer oberflächlichen Erzählung. Entwickelt von einem kleinen Team, verdient der Titel Respekt für seinen Mut – doch als Spiel bleibt er ein unfertiger Snack.

Das Setting von INDUSTRIA ist sein größter Trumpf. Ein Deutschland nach dem Mauerfall, überrannt von Maschinen, wirkt auf den ersten Blick wie ein vielversprechender Nährboden für eine packende dystopische Erzählung. Die ersten Minuten des Spiels sind atmosphärisch dicht, das Voice-Acting verleiht der Welt eine gewisse Authentizität. Doch schon bald wird klar, dass die Prämisse mehr verspricht, als das Spiel halten kann.

Die Story leidet unter einem schwachen World-Building und einem kaum ausgearbeiteten Charakterbogen. Die Handlung wirkt wie ein Gerüst, das nie wirklich mit Leben gefüllt wird. Besonders enttäuschend ist das Ende, das abrupt und uninspiriert wirkt – als hätten die Entwickler schlicht die Lust verloren. Dabei hätte die Grundidee Potenzial gehabt: Ein Blick auf eine alternative Geschichte Deutschlands, in der die Wiedervereinigung nie stattfand, sondern eine maschinelle Diktatur die Macht übernahm, ist ein interessanter Ansatz. Doch statt Tiefe bietet INDUSTRIA nur oberflächliche Andeutungen.

Das Gameplay ist ein weiterer Schwachpunkt. Die Steuerung wirkt oft unpräzise, und die Rätselmechaniken sind unausgegoren. Einige Türen bleiben ohne erkennbaren Grund verschlossen, während andere erst nach umständlichem Herumirren geöffnet werden können. Positiv hervorzuheben sind die anfänglichen Rätsel, die den Spieler clever durch die Umgebung führen: Ein verrostetes Rad, das mit einer selbst hergestellten Flüssigkeit gelöst werden muss, zeigt, wie gut durchdachtes Leveldesign aussehen kann. Doch solche Momente sind rar. Stattdessen dominieren repetitive Abläufe und unklare Hinweise, die den Spielfluss immer wieder unterbrechen.

Der Art-Style des Spiels ist ambivalent. Einerseits schafft er eine eigenwillige, fast surreale Atmosphäre, die perfekt zum Setting passt. Die düsteren, industriellen Umgebungen wirken bedrückend und authentisch. Andererseits fehlt es an visueller Kohärenz – einige Texturen und Modelle wirken lieblos oder unfertig. Die Musik ist größtenteils dezent und unterstreicht die bedrückende Stimmung, doch auch hier gibt es Ausreißer: Die Endmusik wirkt fehl am Platz und bricht mit dem sonst so zurückhaltenden Sounddesign.

Mit einer Spielzeit von etwa drei Stunden ist INDUSTRIA ein kurzes Erlebnis. Das ist nicht per se ein Problem – doch gerade bei einer so knappen Spielzeit fallen die Schwächen umso deutlicher auf. Die Lesbarkeit der Spielwelt ist mal vorbildlich, mal undurchsichtig, und die fehlende Konsistenz im Gameplay-Design wirkt wie ein unfertiger Entwurf. Dennoch: Für ein Projekt, das von einem kleinen Team entwickelt wurde, ist INDUSTRIA eine beachtliche Leistung. Es fühlt sich an wie ein ambitioniertes Hobbyprojekt, das es verdient, gespielt zu werden – wenn auch mit gedämpften Erwartungen.

Wer nach einem tiefgründigen Story-Erlebnis oder einem ausgereiften Gameplay sucht, wird enttäuscht sein. Doch als kurzer, atmosphärischer Ausflug in eine alternative Realität hat INDUSTRIA seinen Reiz. Es ist ein Spiel, das man nicht bereut, gespielt zu haben – aber auch keines, das man unbedingt empfehlen muss. Am Ende bleibt der Eindruck eines Experiments, das nicht ganz gelungen ist, aber dennoch Respekt verdient.

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