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Halo Infinite

Halo Infinite

PlattformPCErschienen15.11.2021Metascore87Auch fürXbox OneXbox Series X

Reviews

Pat · 10.04.2022
★★★★½90/100

Halo Infinite im Test: Die Rückkehr zu alten Stärken – mit kleinen Abstrichen

Halo Infinite beweist, dass weniger manchmal mehr ist – und setzt Maßstäbe im Shooter-Genre.

Mit präzisem Gunplay, einer stimmungsvollen Open-Area-Welt und einem Soundtrack, der unter die Haut geht, knüpft 343 Industries an die Essenz der Serie an. Doch nicht alles gelingt perfekt: Die Story wirkt blass, und die Spielwelt hätte mehr Tiefe vertragen können.

Halo Infinite ist ein Spiel der Kontraste. Es feiert die klassischen Tugenden der Serie – das präzise, befriedigende Gunplay, die ikonische Soundkulisse, die epische Inszenierung – und entwickelt sie behutsam weiter. Gleichzeitig bleibt es in einigen Bereichen hinter den Erwartungen zurück, insbesondere bei der Erzählung und der Gestaltung der Spielwelt. Doch am Ende überwiegt das Positive: Halo Infinite ist ein gelungener, wenn auch nicht revolutionärer Eintrag in der Reihe, der Fans und Shooter-Enthusiast

Halo Infinite markiert die Rückkehr der Serie zu ihren Wurzeln – und das ist zunächst einmal eine gute Nachricht. Nach dem umstrittenen Halo 5: Guardians, das mit seiner schnellen, mobilen Spielweise viele Puristen vor den Kopf stieß, setzt 343 Industries diesmal wieder auf das, was die Serie groß gemacht hat: ein taktisches, methodisches Shooter-Erlebnis mit einer klaren Identität. Das Gunplay fühlt sich sofort vertraut an, fast schon nostalgisch, doch es wurde um moderne Elemente wie den Greifhaken erweitert, der sich nahtlos in das bestehende System einfügt. Die Waffenbalance ist durchdacht, die Gegner-KI bleibt herausfordernd, und die Bewegungsmechaniken machen selbst einfache Traversal-Aufgaben zu einem Vergnügen.

Doch Halo Infinite ist nicht nur ein Rückblick, sondern auch ein Schritt nach vorn. Die Entscheidung, die Kampagne in eine „Open Area“ zu verlegen, war mutig – und im Großen und Ganzen gelungen. Die Spielwelt von Zeta Halo ist weitläufig genug, um ein Gefühl von Freiheit zu vermitteln, ohne dabei überfordernd zu wirken. Die Entwickler haben verstanden, dass eine offene Welt nicht zwangsläufig riesig sein muss, um sich groß anzufühlen. Stattdessen setzen sie auf eine dichte, atmosphärische Gestaltung, die zum Erkunden einlädt. Die Landschaft ist voller kleiner Geheimnisse, Aussichtspunkte und optionaler Herausforderungen, die das Vorankommen belohnen. Allerdings bleibt das Gefühl, dass hier mehr möglich gewesen wäre.

Denn trotz aller Schönheit und stimmungsvollen Inszenierung fehlt es der Welt an echten Highlights. Die meisten Nebenmissionen sind austauschbar, die Gegner-Vielfalt hält sich in Grenzen, und nach einigen Stunden wird klar: Zeta Halo ist groß, aber nicht tief. Das ist kein grundlegender Fehler – schließlich scheint das Spiel gar nicht den Anspruch zu haben, eine klassische Open-World-Erfahrung zu bieten. Doch wer sich mehr als nur oberflächliches Erkunden erhofft, könnte enttäuscht werden. Hier zeigt sich ein zentrales Dilemma von Halo Infinite: Es will alles sein – und ist am Ende doch nur das, was es sein muss.

Ein Bereich, in dem das Spiel zweifellos glänzt, ist die akustische Inszenierung. Der Soundtrack von Gareth Coker, Joel Corelitz und Alex Bhore ist nicht nur ein würdiger Nachfolger der ikonischen Halo-Musik, sondern ein eigenständiges Meisterwerk. Die Kompositionen wechseln nahtlos zwischen epischen Orchesterpassagen, melancholischen Klaviermelodien und treibenden elektronischen Beats – und schaffen so eine Atmosphäre, die perfekt zur einsamen, fast schon meditativen Stimmung der Kampagne passt. Es ist einer dieser seltenen Soundtracks, die man auch außerhalb des Spiels hören möchte, und ein Beweis dafür, wie sehr Musik ein Erlebnis prägen kann.

Auch der Sounddesign verdient höchste Anerkennung. Jeder Schuss, jeder Schritt, jedes Alien-Geräusch ist präzise platziert und verleiht den Gefechten eine fast schon haptische Qualität. Besonders die Stille zwischen den Kämpfen wirkt bewusst eingesetzt und unterstreicht das Gefühl der Einsamkeit, das den Master Chief auf Zeta Halo begleitet. Hier zeigt sich einmal mehr, wie wichtig eine gute Soundkulisse für die Immersion ist – und Halo Infinite beherrscht dieses Handwerk meisterhaft.

Doch nicht alles in Halo Infinite gelingt auf Anhieb. Die Story ist der schwächste Teil des Spiels. Während die Handlung in früheren Teilen der Serie zumindest für ein Grundgerüst an Spannung sorgte, wirkt sie hier blass und uninspiriert. Die Charaktere bleiben oberflächlich, die Dialoge wirken oft holprig, und selbst die Rückkehr des ikonischen Antagonisten, des „Harbinger“, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Erzählung kaum emotionale Tiefe entwickelt. Es ist, als hätten die Entwickler all ihre kreative Energie in das Gameplay und die Weltgestaltung gesteckt – und dabei die Geschichte vernachlässigt. Das ist schade, denn gerade in einer so atmosphärischen Umgebung hätte man sich mehr als nur eine Standard-Shooter-Story gewünscht.

Auch der Art-Style polarisiert. Halo Infinite setzt auf eine Mischung aus fotorealistischen Elementen und einem eher cartoonhaften, fast schon comic-haften Design. Das Ergebnis ist eine Optik, die einerseits technisch beeindruckend ist – besonders die Licht- und Wettereffekte sind herausragend – andererseits aber auch inkonsistent wirkt. Manche Charaktere und Umgebungen sehen aus, als wären sie direkt aus einem Pixar-Film entnommen, während andere fast schon hyperrealistisch wirken. Es ist kein schlechter Look, aber er fühlt sich nicht immer wie ein natürlicher Teil des Halo-Universums an.

Trotz dieser Kritikpunkte bleibt Halo Infinite ein durch und durch gelungenes Spiel. Es versteht es, die Essenz der Serie einzufangen und gleichzeitig moderne Elemente so zu integrieren, dass sie sich natürlich anfühlen. Der Greifhaken ist kein billiger Gimmick, sondern eine logische Erweiterung des Bewegungsrepertoires. Die Open-Area-Welt ist nicht zu groß, nicht zu klein, sondern genau richtig dimensioniert, um ein Gefühl von Freiheit zu vermitteln, ohne dabei die Konzentration auf das Wesentliche zu verlieren. Und das Gunplay bleibt auch nach all den Jahren eines der besten im Genre.

Halo Infinite ist kein Spiel, das die Branche revolutionieren wird. Es ist auch kein Titel, der mit einer tiefgründigen Story oder einer überwältigenden Spielwelt punktet. Aber es ist ein Spiel, das seine Stärken kennt und diese konsequent ausspielt. Es ist ein Halo – und das reicht in diesem Fall völlig aus. Wer bereit ist, über die Schwächen hinwegzusehen, wird mit einem hochwertigen, unterhaltsamen Shooter-Erlebnis belohnt, das vor allem durch seine Atmosphäre, sein Gameplay und seinen Soundtrack besticht. Und manchmal ist das genau das, was man von einem Spiel erwartet.

Fazit: Halo Infinite ist kein perfektes Spiel, aber ein sehr gutes. Es beweist, dass die Serie auch ohne radikale Neuerungen überzeugen kann – solange sie ihre Kernidentität nicht aus den Augen verliert. Wer ein taktisches, stimmungsvolles Shooter-Erlebnis sucht, wird hier fündig. Wer allerdings eine epische Story oder eine wirklich tiefgründige Open World erwartet, könnte enttäuscht werden. Doch am Ende ist Halo Infinite genau das, was es sein will: Ein würdiger Nachfolger in einer der besten Shooter-Serien aller Zeiten.

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