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Fort Solis

Fort Solis

PlattformPCErschienen22.08.2023Metascore60Auch fürPlayStation 5Xbox Series X

Reviews

Pat · 19.06.2024
★★★★75/100

Fort Solis im Test: Eine einsame Mars-Basis voller Geheimnisse

Ein atmosphärisches Sci-Fi-Abenteuer mit Licht und Schatten.

Fort Solis entführt Spieler in eine verlassene Forschungsstation auf dem Mars – und setzt dabei auf eine dichte Atmosphäre, die zwischen Staunen und Langeweile oszilliert. Wer Geduld mitbringt, wird mit einer unerwartet tiefgründigen Geschichte belohnt, doch das Gameplay bleibt oft hinter den Erwartungen zurück.

Auf dem Mars ist die Stille ohrenbetäubend. Fort Solis wirft den Spieler in eine verlassene Forschungsbasis, in der etwas schiefgelaufen ist – und überlässt es ihm, die Puzzleteile zusammenzusetzen. Das Spiel setzt auf eine langsame Erzählweise, die nicht jeden anspricht, aber gerade durch ihre bedächtige Herangehensweise eine einzigartige Spannung erzeugt. Wer sich auf die düstere, fast schon klaustrophobische Atmosphäre einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die überraschend vielschichtig ist. Doch

Schon die ersten Minuten in Fort Solis machen klar: Hier geht es nicht um Action oder schnelle Entscheidungen. Stattdessen wird der Spieler behutsam durch die Gänge der verlassenen Basis geführt, als wäre er ein Besucher in einer Geisterstadt. Die langsame Fortbewegung mag zunächst befremdlich wirken, doch sie passt perfekt zum Setting. Die Station fühlt sich verlassen an – nicht nur wegen der fehlenden Crew, sondern auch wegen der kleinen Details, die das Spiel so lebendig machen. Ein Kühlschrank, der noch funktioniert und in dem ein kaltes Bier auf den Protagonisten wartet, mag wie eine kleine Geste wirken, doch sie verrät viel über die Welt und ihre Bewohner. Dass das Spiel solche Momente sogar mit einem Achievement belohnt („Trinken auf der Arbeit“), zeigt, wie sehr es auf Immersion setzt.

Die Atmosphäre ist zweifellos die größte Stärke von Fort Solis. Die verlassenen Korridore, das flackernde Licht, die unheimlichen Geräusche – alles trägt dazu bei, dass man sich als Spieler unwohl fühlt, aber gleichzeitig nicht wegschauen kann. Die Basis wirkt wie ein lebendiger Organismus, der langsam zerfällt, und die Entwickler haben es geschafft, diese Stimmung bis ins kleinste Detail zu transportieren. Besonders die Sounddesign-Elemente sind hier hervorzuheben: Das Knarren der Metallstrukturen, das leise Summen der Maschinen und die gelegentlichen, unerklärlichen Geräusche sorgen für eine konstante Anspannung. Die Musik hingegen fällt etwas ab – sie ist nicht schlecht, aber auch nicht besonders einprägsam und wirkt manchmal wie ein Fremdkörper in der ansonsten so dichten Welt.

Doch wo Fort Solis mit seiner Atmosphäre punktet, zeigt das Gameplay deutliche Schwächen. Die Interaktionen sind oft repetitiv und beschränken sich auf das Lösen einfacher Rätsel oder das Einsammeln von Gegenständen. Es gibt kaum Momente, in denen der Spieler wirklich gefordert wird, und die wenigen Action-Elemente wirken wie Fremdkörper in der ansonsten so bedächtigen Erzählweise. Wer auf Abwechslung oder anspruchsvolle Mechaniken hofft, wird enttäuscht sein. Stattdessen setzt das Spiel auf eine lineare, fast schon filmische Erfahrung, die den Spieler durch die Geschichte führt, ohne ihm viel Spielraum zu lassen. Das ist nicht unbedingt schlecht – schließlich geht es hier um eine narrative Erfahrung – aber es hätte mehr Tiefe vertragen können.

Die Story hingegen ist ein Highlight. Fort Solis beginnt wie ein klassisches Sci-Fi-Drama, doch je weiter man vordringt, desto mehr Schichten werden freigelegt. Die Charaktere sind sympathisch geschrieben, und die Dialoge wirken natürlich, ohne aufdringlich zu sein. Besonders die Beziehung zwischen dem Protagonisten und den wenigen verbliebenen Crewmitgliedern ist gut ausgearbeitet und verleiht der Geschichte eine emotionale Tiefe. Die Wendungen kommen überraschend, und das Spiel schafft es immer wieder, den Spieler zu überraschen. Wer sich auf die langsame Erzählweise einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die lange nachhallt.

Optisch hinterlässt Fort Solis einen zwiespältigen Eindruck. Die Basis selbst ist beeindruckend gestaltet, mit einer Mischung aus futuristischem Design und industriellem Charme. Die Texturen sind detailliert, und die Beleuchtung trägt maßgeblich zur Atmosphäre bei. Allerdings wirkt das Charakterdesign oft etwas steif, und die Animationen sind nicht immer flüssig. Hier hätte man sich mehr Feinschliff gewünscht, um die visuelle Qualität auf das Niveau der Atmosphäre zu heben.

Fazit: Fort Solis ist ein Spiel, das polarisiert. Wer auf der Suche nach einer dichten, atmosphärischen Geschichte ist und Geduld mitbringt, wird hier fündig. Die Welt ist faszinierend, die Story überraschend tiefgründig, und die Atmosphäre sucht ihresgleichen. Doch wer Action, Abwechslung oder anspruchsvolle Gameplay-Mechaniken erwartet, wird enttäuscht sein. Fort Solis ist kein Spiel für jeden – aber für diejenigen, die sich auf seine langsame, bedrückende Erzählweise einlassen, ist es ein lohnendes Erlebnis. Mit etwas mehr Mut zur Abwechslung im Gameplay hätte es sogar noch besser sein können.