
Ein atmosphärisches, aber unausgegorenes Geisterepos, das seine Stärken nicht konsequent nutzt.
Banishers: Ghosts of New Eden entführt Spieler in eine düstere Kolonialzeit-Welt voller Geister und moralischer Dilemmata. Doch trotz ergreifender Momente und einer starken Atmosphäre scheitert das Spiel an repetitiven Mechaniken und oberflächlicher Erzählweise. Ein ambitioniertes Projekt, das seine Möglichkeiten verschenkt.
Mit Banishers: Ghosts of New Eden wagt sich Entwicklerstudio Don’t Nod an ein neues Setting: die nordamerikanische Kolonialzeit des 17. Jahrhunderts, durchdrungen von Geistern, Schuld und Rache. Das Spiel verspricht eine düstere, emotionale Reise – doch was als packendes Drama beginnt, verliert sich schnell in mechanischen Schwächen und erzählerischen Ungereimtheiten. Trotz einiger Lichtblicke bleibt der Gesamteindruck enttäuschend.
Die Prämisse von Banishers klingt vielversprechend: Als Geisterjägerpaar Antea Duarte und Red mac Raith reist man durch das fiktive New Eden, eine von übernatürlichen Schrecken heimgesuchte Siedlung. Die Beziehung der beiden Protagonisten steht im Mittelpunkt – eine tragische Liebesgeschichte, die durch Anteas Tod und ihre anschließende Rückkehr als Geist eine ungewöhnliche Dynamik erhält. Doch schon hier zeigt sich ein zentrales Problem: Die Charaktere bleiben trotz ihrer interessanten Ausgangslage überraschend blass.
Die Erzählweise des Spiels oszilliert zwischen ergreifenden Einzelschicksalen und einer holprigen Hauptgeschichte. Besonders die Side-Quests stechen hervor, etwa die Geschichte eines Mannes, der seinen verstorbenen Sohn sucht, oder die Tragödie einer Frau, die von ihrer eigenen Familie verraten wird. Diese Episoden sind emotional dicht und gut geschrieben – doch sie wirken wie isolierte Inseln in einem ansonsten seichten Meer. Der Main-Plot hingegen plätschert vor sich hin, ohne je wirklich Spannung oder Tiefe zu entwickeln. Die zentralen Konflikte wirken konstruiert, die Motivationen der Antagonisten oft klischeehaft.
Ein weiteres großes Manko ist das Kampfsystem. Banishers setzt auf ein actionlastiges, aber extrem repetitives Combat-Design. Die Kämpfe sind langsam, die Gegner oft langweilig gestaltet, und die wenigen verfügbaren Fähigkeiten reichen nicht aus, um für Abwechslung zu sorgen. Selbst die übernatürlichen Elemente, die das Spiel eigentlich auszeichnen sollten, wirken halbgar. Die Mechanik der „Verbannung“ oder „Vergebung“ – eine zentrale Entscheidung, die Spieler bei jedem Geist treffen müssen – klingt auf dem Papier interessant, entpuppt sich aber als oberflächlich. Die Konsequenzen dieser Wahl sind minimal, und das System wirkt wie ein nachträglich aufgesetztes Feature, das nie wirklich in die Spielwelt integriert wurde.
Optisch und akustisch hinterlässt Banishers einen gemischten Eindruck. Die düstere, von nebligen Wäldern und verfallenen Siedlungen geprägte Welt ist atmosphärisch und gelungen inszeniert. Die Licht- und Schatteneffekte, insbesondere in den nächtlichen Szenen, sind beeindruckend und tragen maßgeblich zur bedrückenden Stimmung bei. Doch abseits dieser Highlights wirkt das Art-Design oft generisch. Die Charaktermodelle sind wenig detailliert, die Animationen steif, und einige Umgebungen wirken lieblos zusammengeschustert. Auch der Sound und die Musik können nicht überzeugen: Die Sprachausgabe ist solide, aber nicht herausragend, und die musikalische Untermalung bleibt meist im Hintergrund, ohne je wirklich Akzente zu setzen.
Wo Banishers glänzt, ist die Atmosphäre. Das Spiel schafft es, eine melancholische, fast schon traurige Stimmung zu erzeugen, die den Spieler in ihren Bann zieht. Die Geschichten der Geister, ihre verzweifelten Rufe und die düstere Ästhetik der Welt vermitteln ein Gefühl von Verlust und Hoffnungslosigkeit, das lange nachhallt. Doch diese Stärke reicht nicht aus, um die zahlreichen Schwächen auszugleichen. Zu oft fühlt sich das Spiel wie eine verpasste Chance an – ein ambitioniertes Projekt, das seine eigenen Ideen nicht zu Ende denkt.
Am Ende bleibt ein zwiespältiger Eindruck. Banishers: Ghosts of New Eden hat Momente, die berühren, und eine Prämisse, die neugierig macht. Doch die Umsetzung bleibt hinter den Erwartungen zurück. Wer auf der Suche nach einem tiefgründigen, narrativen Erlebnis ist, wird enttäuscht sein. Wer jedoch bereit ist, über die mechanischen und erzählerischen Schwächen hinwegzusehen, findet hier eine düstere, melancholische Reise – die allerdings oft mehr verspricht, als sie halten kann.
Bibliothek
Reviews
Veröffentlicht und gesammelt an einem Ort.
Alle Reviews ansehen →Diese Seite verwendet technisch notwendige Cookies sowie — mit deiner Zustimmung — anonymes Besucher-Tracking. Kein Tracking durch Dritte. Mehr erfahren
Session-Verwaltung und Consent-Speicherung. Ohne diese Cookies funktioniert die Seite nicht.
patkeks · Session · 30 Tagecookie_consent · Einstellungen · 1 JahrAnonymes Zählen von Seitenaufrufen. Die IP-Adresse wird vor der Speicherung gehasht und nicht im Klartext gespeichert. Kein externer Dienst, keine Weitergabe an Dritte.
vid · Besucher-ID · 1 Jahr