
Ein technisch beeindruckender, aber ungleichmäßiger Weltraum-Shooter mit starken Momenten und schwachen Phasen.
Chorus überzeugt als 3D-Space-Shooter mit flüssigem Movement und innovativen Mechaniken, leidet aber unter repetitiven Passagen und einer dünnen Story. Wer Action im All sucht, findet hier durchaus lohnende Momente – doch der Funke springt nicht immer über.
Space-Shooter sind ein Nischengenre, das selten mit frischen Ideen aufwartet. Chorus (2021) versucht, diese Lücke zu füllen – mit gemischtem Erfolg. Während das Gameplay durch präzise Steuerung und dynamische Drift-Mechaniken glänzt, kämpft das Spiel mit erzählerischen Schwächen und einer unausgewogenen Präsentation. Ein Titel, der polarisiert, aber vor allem eines beweist: Im Weltraum kann Langeweile selbst bei spektakulären Bildern lauern.
Auf den ersten Blick wirkt Chorus wie ein klassischer Vertreter des 3D-Space-Shooter-Genres. Doch hinter der vertrauten Fassade verbirgt sich ein Spiel, das mit einigen innovativen Ansätzen aufwartet – und gleichzeitig mit altbekannten Problemen kämpft. Die größte Stärke liegt zweifellos im Gameplay, das mit einer bemerkenswerten Präzision und einer fast schon tänzerischen Bewegungsfreiheit überzeugt.
Die Drift-Mechanik ist dabei das Herzstück des Erlebnisses. Spieler können ihr Schiff in scharfen Kurven durch Asteroidenfelder oder enge Schluchten lenken, während sich die Umgebung in Zeitlupe auflöst. Diese Momente sind es, die Chorus von der Konkurrenz abheben. Die Steuerung fühlt sich flüssig an, und die physikalischen Interaktionen – etwa das Abprallen von Oberflächen oder das Ausnutzen von Gravitationsfeldern – verleihen jedem Gefecht eine taktische Tiefe. Hier zeigt sich, dass das Entwicklerteam von Fishlabs (bekannt für die Galaxy on Fire-Reihe) sein Handwerk versteht.
Doch so beeindruckend die Mechaniken auch sind, so sehr leidet das Spiel unter wiederholenden Strukturen. Missionen folgen oft demselben Muster: Gegnerwellen abwehren, Ziele zerstören, zum nächsten Checkpoint fliegen. Die Abwechslung bleibt auf der Strecke, und selbst die spektakulären Boss-Kämpfe – die visuell durchaus beeindrucken – können diesen Eindruck nicht immer ausgleichen. Wer hier auf eine tiefgründige Kampagne oder überraschende Wendungen hofft, wird enttäuscht. Die Story ist dünn, die Charaktere bleiben blass, und die Dialoge wirken oft holprig. Zwar gibt es Ansätze einer emotionalen Bindung zwischen der Protagonistin Nara und ihrem Schiff Forsaken, doch diese Momente wirken aufgesetzt und kommen nicht richtig zur Geltung.
Optisch präsentiert sich Chorus als ein Spiel der Extreme. Während einige Umgebungen – etwa die schwebenden Ruinen einer untergegangenen Zivilisation oder die surreale Schönheit eines schwarzen Lochs – atemberaubend inszeniert sind, wirken andere Abschnitte lieblos und repetitiv. Der Art-Style schwankt zwischen futuristischem Minimalismus und überladenen Sci-Fi-Klischees, ohne eine klare Linie zu finden. Die Atmosphäre leidet darunter, dass das Spiel seine eigenen Stärken nicht konsequent ausspielt. Mal fühlt man sich wie in einem epischen Weltraum-Epos, mal wie in einem generischen Shooter ohne Seele.
Ähnlich unausgegoren wirkt der Sound. Die Effekte – etwa das Dröhnen der Triebwerke oder das Zischen der Laserwaffen – sind solide, aber unspektakulär. Die Musik hingegen ist ein echter Schwachpunkt. Statt mit eingängigen Melodien oder atmosphärischen Klängen zu punkten, setzt Chorus auf generische Synthwave-Beats, die schnell in den Hintergrund treten. Hier hätte mehr Mut zu Experimenten dem Spiel gutgetan.
Trotz dieser Mängel löst Chorus bei manchen Spielern durchaus emotionale Reaktionen aus. Die Momente, in denen man durch eine Sternenexplosion fliegt oder in Zeitlupe einem Asteroiden ausweicht, können ein Gefühl von Ehrfurcht und Staunen hervorrufen. Die Freiheit, sich durch die Weiten des Alls zu bewegen, weckt eine gewisse Sehnsucht – nach Abenteuer, nach Entdeckung, nach dem Unbekannten. Doch diese Gefühle sind flüchtig. Sie verfliegen, sobald die nächste langweilige Mission beginnt oder die Story wieder in belanglose Dialoge abdriftet.
Fazit: Chorus ist ein Spiel, das seine Zielgruppe klar benennt. Wer 3D-Space-Shooter liebt und bereit ist, über die Schwächen hinwegzusehen, wird hier belohnt – mit flüssigem Gameplay, innovativen Mechaniken und einigen visuell beeindruckenden Momenten. Wer jedoch mehr erwartet als reine Action, könnte enttäuscht werden. Die Story ist zu dünn, die Präsentation zu unausgegoren, und die Langeweile schlägt immer wieder zu. Chorus ist kein schlechtes Spiel, aber eines, das sein Potenzial nicht voll ausschöpft. Es bleibt ein Titel, der polarisiert – und genau das macht ihn interessant.
Für Fans des Genres ist Chorus einen Blick wert. Für alle anderen lohnt sich das Warten auf ein Angebot – oder ein anderes Spiel.
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