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The Evil Within

The Evil Within

PlattformXbox OneErschienen14.10.2014Metascore75Community75/100 (1 Review)Auch fürPCPlayStation 3PlayStation 4Xbox 360

Reviews

Pat · 04.04.2025
★★★★75/100

The Evil Within im Test: Shinjis Albtraum zwischen Horror-Meisterwerk und Action-Einöde

Tango & Cash trifft auf Lovecraft – doch der Balanceakt misslingt auf Dauer.

Tango & Cash trifft auf Lovecraft – doch der Balanceakt misslingt auf Dauer. Resident Evil-Vater Shinji Mikami serviert ein Horror-Erlebnis, das im ersten Drittel noch Gänsehaut garantiert, dann aber in actionlastige Beliebigkeit abdriftet. Wer durchhält, wird mit ikonischem Sound-Design und einer beklemmenden Sanatoriums-Episode belohnt.

Shinji Mikami hat mit The Evil Within ein Spiel geschaffen, das wie ein Liebesbrief an die goldene Ära des Survival-Horrors wirkt – und gleichzeitig wie ein unfertiger Entwurf dessen, was es hätte sein können. Auf der Xbox One präsentiert sich der Titel als ambivalentes Erlebnis: Einerseits ein technisch und atmosphärisch beeindruckendes Werk, das in seinen besten Momenten an die beklemmende Dichte klassischer Resident Evil-Teile anknüpft. Andererseits ein Spiel, das sich im Verlauf zunehmend selbst im Weg

Bereits die ersten Minuten von The Evil Within lassen keinen Zweifel daran, dass Mikami hier bewusst auf die Klaviatur des psychologischen Horrors setzt. Der Protagonist Sebastian Castellanos, ein Detective, erwacht in einem düsteren Sanatorium – ein Setting, das sofort Erinnerungen an Silent Hill und Resident Evil weckt. Die Kamera schwenkt in klassischer Third-Person-Perspektive, die Beleuchtung ist sparsam, die Schatten lang. Jeder Schritt hallt unnatürlich laut durch die Gänge, während das Sound-Design mit minimalistischen, aber effektiven Mitteln eine Atmosphäre der Paranoia erzeugt. Ein leises Kratzen an der Tür, ein entferntes Stöhnen – die Angst sitzt von Anfang an im Nacken.

Doch The Evil Within ist kein Spiel, das sich mit subtilen Andeutungen begnügt. Schon bald wird der Spieler mit grotesken Kreaturen konfrontiert, die wie eine Mischung aus Francis Bacons Gemälden und den Monstern aus Resident Evil 4 wirken. Die Inszenierung dieser Begegnungen ist oft meisterhaft: Plötzliche Jump-Scares, unerwartete Perspektivwechsel und eine dynamische Kameraführung sorgen für eine ständige Anspannung. Besonders das Sanatorium, das als zentraler Dreh- und Angelpunkt des Spiels fungiert, sticht hervor. Die labyrinthischen Gänge, die mit Blut und Leichen übersäten Räume und die unheimliche Stille dazwischen schaffen eine der dichtesten Horror-Atmosphären der letzten Jahre.

Doch hier beginnt auch das erste Problem: The Evil Within ist ein Spiel der Extreme. Während das erste Drittel mit seiner bedrückenden Stimmung und dem Fokus auf Ressourcenmanagement noch an die besten Momente des Survival-Horrors erinnert, kippt die Erfahrung ab dem zweiten Akt in eine völlig andere Richtung. Plötzlich wird aus dem verletzlichen Detective ein actiongeladener Held, der sich durch Wellen von Gegnern metzelt, als wäre er einem Gears of War-Ableger entsprungen. Die Munition wird plötzlich im Überfluss vorhanden, die Gegner verlieren ihren Schrecken, und das Spiel verwandelt sich in ein repetitives Shooter-Erlebnis, das wenig mit den Stärken des Anfangs zu tun hat.

Diese Diskrepanz ist umso enttäuschender, als Mikami in anderen Bereichen so viel richtig macht. Das Sound-Design etwa ist eine Klasse für sich. Die Geräusche der Kreaturen – ein gurgelndes Keuchen, ein schrilles Kreischen – sind so unangenehm, dass sie sich in das Gedächtnis des Spielers einbrennen. Die Musik, komponiert von Resident Evil-Veteran Ryo Yamazaki, unterstreicht die surreale Atmosphäre mit düsteren Chorälen und dissonanten Streichern, die an Bernard Herrmanns Scores für Hitchcock-Filme erinnern. Selbst die Upgrade-Mechanik, die es dem Spieler ermöglicht, Sebastian mit neuen Fähigkeiten auszustatten, ist clever inszeniert: Die Momente, in denen man nach einem erfolgreichen Kampf in eine Art „Safe Zone“ zurückkehrt und mit einem befriedigenden „Pling“ eine neue Fertigkeit freischaltet, gehören zu den Highlights des Spiels.

Doch je weiter man voranschreitet, desto mehr verliert The Evil Within seinen Fokus. Die Handlung, die zunächst noch mit einer interessanten Prämisse – einem mysteriösen Serienmörder, der Menschen in eine surreale Traumwelt verschleppt – aufwartet, wird zunehmend wirr. Die letzten Kapitel des Spiels wirken wie ein Fiebertraum, in dem Logik und Kohärenz zugunsten einer immer absurderen Abfolge von Bosskämpfen und überdrehten Set-Pieces geopfert werden. Die Gegner werden zu Karikaturen ihrer selbst, die Dialoge wirken holprig, und die ursprünglich so bedrohliche Welt verwandelt sich in ein buntes Spektakel, das eher an einen schlechten Anime als an ein ernsthaftes Horror-Spiel erinnert.

Dazu kommt, dass The Evil Within an einigen Stellen einfach unfair ist. Die KI der Gegner ist oft unberechenbar, die Hitboxen ungenau, und einige Rätsel sind so kryptisch formuliert, dass sie eher an eine Schnitzeljagd als an eine durchdachte Herausforderung erinnern. Besonders frustrierend sind die sogenannten „Stealth“-Passagen, in denen der Spieler sich an Gegnern vorbeischleichen muss – ein Konzept, das aufgrund der schlechten Wegfindung und der oft willkürlich platzierten Wachen nur selten funktioniert. Wer hier nicht die Geduld eines Heiligen mitbringt, wird schnell die Nerven verlieren.

Trotz all dieser Mängel bleibt The Evil Evil Within ein faszinierendes Spiel – zumindest in seinen besten Momenten. Die ersten Stunden sind ein Meisterwerk des modernen Horrors, das beweist, dass Mikami sein Handwerk noch immer versteht. Die Atmosphäre ist so dicht, dass man förmlich die Kälte der Gänge spüren kann, und die Angst, die das Spiel erzeugt, ist real. Doch der Titel leidet unter demselben Problem wie viele andere Spiele seiner Art: Er weiß nicht, was er sein will. Ein Survival-Horror? Ein Action-Shooter? Ein psychologischer Albtraum? The Evil Within versucht, alles auf einmal zu sein, und scheitert dabei an seiner eigenen Ambition.

Für Fans von Resident Evil und klassischem Survival-Horror ist The Evil Within dennoch ein Pflichtkauf – zumindest, wenn sie bereit sind, über die schwächeren Passagen hinwegzusehen. Wer jedoch ein durchgängig hochwertiges Horror-Erlebnis sucht, wird enttäuscht sein. Das Spiel ist wie ein gutes Buch, das nach der Hälfte plötzlich in einen schlechten Actionfilm umschlägt: Die ersten Kapitel sind so stark, dass man fast vergisst, wie sehr der Rest enttäuscht. Doch am Ende bleibt die bittere Erkenntnis, dass The Evil Within sein volles Potenzial nie ganz ausschöpft.

Fazit: The Evil Within ist ein Spiel der Extreme – brillant in seinen besten Momenten, frustrierend in seinen schwächsten. Wer bereit ist, sich auf die surreale Reise einzulassen und über die holprigen Passagen hinwegzusehen, wird mit einer der intensivsten Horror-Erfahrungen der letzten Jahre belohnt. Wer jedoch ein durchdachtes, kohärentes Erlebnis erwartet, sollte vorsichtig sein. Mikamis Rückkehr zum Survival-Horror ist ein mutiger, aber unausgeglichener Versuch, der zeigt, dass selbst ein Meister seines Fachs nicht immer perfekt sein muss.